Der Weg ist das Ziel

Das hört man ja oft, heutzutage: Der Weg ist das Ziel. Schön und gut, ich bin definitiv ein großer Fan des Prozesses, aber was ist mit dem Ziel`? Ist nicht auch einfach das Ziel das Ziel?

Irgendwie schon. Ich finde, man sollte das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Das Warum hinter all seinem Tun. Beides ist wichtig, der Weg und das Ziel.

Und was heißt das überhaupt, dass der Weg das Ziel ist. Ich habe manchmal das Gefühl, das wird als Ausrede benutzt, wenn man sein Ziel eben nicht so stringent verfolgt. Meilensteine nicht erreicht? Deadlines gerissen? Egal, nicht so wichtig. Der Weg ist das Ziel.

Moment. So war das nicht gedacht. Wenn man die Sache richtig ernst nimmt, kann man sich nicht so einfach rausreden. Finde ich zumindest. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, seinen Fortschritt in so großen oder kleinen Schritten zu machen, wie er möchte. Hauptsache, man macht Fortschritte. Insbesondere, wenn man etwas professionell betreiben möchte.

Denn wenn man gar nicht vorwärtskommt, ist da auch kein Weg, der das Ziel sein könnte. Da muss man schon ehrlich zu sich selber sein. Die Stagnation ist sicher nicht das Ziel.

Die Weiterentwicklung hingegen ist sehr wohl ein gutes Ziel. Dieses Ziel verfolge auch ich. Dennoch tappe ich gerne selber in die Falle, dass ich mangelnden Fortschritt als nicht so schlimm ansehe, schließlich geht es ja nicht nur um das Endprodukt.

Für manche Dinge kann ich einen ziemlich großen Ehrgeiz entwickeln. Manchmal geht mir dieser Ehrgeiz aber auch mittendrin verloren. Und dann hilft es mir nicht, wenn ich mich auf den Weg konzentriere. Damit kultiviere ich bloß einen Durchhänger.

Dennoch ist die Reise eine schöne, die genossen werden will. Der Prozess, insbesondere, wenn es ein längerer ist, soll schon auch Spaß machen. Sonst ist es nur eine Quälerei. Ich bleibe also dabei, beides ist wichtig.

Der Weg und das Ziel sind das Ziel.

Klassiker

Während ich klassische Musik höre und mich damit in die richtige Schreibstimmung bringe, denke ich über Klassiker nach. Ein Klassiker ist zeitlos in seiner Relevanz, von allgemein anerkannt hoher Qualität und hat meist ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal.

Sollte man anstreben einen Klassiker zu schreiben?

Nein. Auf keinen Fall.

Ich behaupte nämlich, das geht gar nicht. Man kann keinen Klassiker schreiben. Man kann ein gutes Buch schreiben. Ob es zum Klassiker wird entscheiden Kräfte, auf die man keinen Einfluss hat. Alle Bücher, die man heutzutage als Klassiker kennt, entsprechen den genannten Merkmalen. Das macht sie aber nicht zu Klassikern, denn es gibt viele tausend andere gute Bücher, auf die das möglicherweise auch zutrifft. Die aber nicht als Klassiker bekannt sind. Das liegt zum einen daran, dass sie vielleicht generell nicht sehr bekannt sind. Vermutlich ist das das entscheidendste Kriterium um zum Klassiker zu werden: weltweite Bekanntheit. Und die lässt sich nur sehr schwer steuern, oder gar vorher planen.

Ein zweiter Punkt, der mir dabei noch in den Sinn kommt, ist die Sache mit der Einzigartigkeit. Heutzutage wird es immer schwieriger, etwas zu schreiben, was so ähnlich nicht schon jemand anderes geschrieben hat. Im Prinzip ist das auch gar nicht schlimm, dass man kein Alleinstellungsmerkmal hat. Solange man sein Publikum damit unterhält, und seine eigene Note einbringt, spricht nichts gegen bewährte Konzepte. Aber da sind wir auch wieder bei den Ideen, die sich Köpfe aussuchen. Sie suchen vielleicht nicht nur einen Kopf aus, sondern mehrere gleichzeitig. Der Erste, der es passend zu Papier bringt, erntet die Lorbeeren. Auch da ist an sich nichts Verwerfliches dran, schließlich hat er die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema gelenkt und wer weiß, ob die anderen das auch hinbekommen hätten.

Ich glaube, manchmal muss eine Idee erst einmal ausgesprochen werden, bevor sie von anderen Menschen wieder aufgebracht werden kann. Einer muss sozusagen der Erste sein, der das Eis bricht.

Ebenso wenig ist es aber schlimm, der Zweite zu sein. Man bekommt vielleicht nicht ganz so viel Ruhm, aber die Idee nochmal aus einem eigenen Blickwinkel zu beleuchten kann der Sache nur dienlich sein.

Was ich verwerflich finde, ist gute Ideen in der Schublade verrotten zu lassen. Damit eine möglicherweise nicht ganz so gute Idee immer noch Profit abwirft.

Aber ich schweife vom Thema ab. Zurück zu den Klassikern.

Man kann keinen Klassiker schreiben, Klassiker entstehen lange, nachdem der Autor den Stift weggelegt hat. Manchmal sogar lange, nachdem der Autor gestorben ist.

Ich kann aber versuchen ein qualitativ hochwertiges Buch zu schreiben. Das meinen Lesern etwas bringt und sei es nur ein paar Stunden Lesevergnügen.

Fehler

Manchmal habe ich das Gefühl, da ist ein Fehler in der Matrix. Irgendwas passt nicht so ganz, ein kleiner Störfaktor, der kaum auffällt. Aber irgendwie ist es eben doch aufgefallen.

Fehler sind ja auch normal. Die Welt ist nicht perfekt. Zum Glück, dann fühlt man sich nicht so daneben, wenn man selber auch nicht perfekt ist. Eigentlich, wobei man das Wort “eigentlich” eigentlich nicht benutzen sollte, sind Fehler gar nicht so schlecht. Zumindest nicht immer. Nicht, wenn man nicht gerade Neo ist, der Beef mit Agenten der Matrix hat.

Die wenigsten von uns haben aber solche Probleme epischer Breite und Tiefe, und für uns Alltagshelden sind Fehler eine Chance, was zu lernen, sich weiterzuentwickeln. Das klingt doch schon mal ganz gut.

Trotzdem machen wir allesamt, mich eingeschlossen, nicht gerne Fehler. Das liegt zum einen daran, dass Fehler nicht das gewünschte Ergebnis bringen und zum anderen, dass wir meistens nicht gerade positives Feedback bekommen, wenn wir einen Fehler machen. Was eigentlich, wenn ich dieses Wort wider besseres Wissen weiter benutze, also eigentlich blöd ist.

Kleine Kinder lernen Laufen durch ständiges Hinfallen. Und da sagt auch keiner, “Ach hey, du bist ja blöd, jetzt hast du es schon wieder falsch gemacht!” Im Gegenteil. Wir ermutigen unsere Kinder, wenn sie hinfallen und erzählen ihnen, dass das zum Lernen dazu gehört und dass sie dadurch Fortschritte machen. Ganz schön scheinheilig, wenn man bedenkt, dass man Erwachsenen was ganz anderes erzählt. Wobei das ja schon in der Schule anfängt. Da wird man fürs Fehler machen dann schon weitaus zurückhaltender gelobt. Und manchmal von den Mitschülern ausgelacht.

Dabei ist das vom Alter völlig unabhängig, wenn man etwas Neues lernt, macht man vermutlich Fehler. Und die Angst davor, Fehler zu machen, hemmt den Lernfortschritt.

Im Moment bin ich mit meinem Romangeschreibsel nicht zufrieden. Da sind eine Menge Sachen drin, die so noch nicht ins Endprodukt reinfließen sollten. Fehler, wenn man so will. Ich muss zugeben, dass mir das durchaus ein wenig Sorge bereitet hat. Es hat bestimmt auch zu meinem Durchhänger beigetragen.

Inzwischen übe ich mich in Gelassenheit, was die Qualität meines Schriftstücks betrifft. Ich kann es ja später noch überarbeiten. Und in gewisser Weise freue ich mich darauf. All die vielen Sachen die nicht gelungen sind, oder die ich rundheraus falsch gemacht habe nochmal gründlich bearbeiten – eine befriedigende Vorstellung.

Und aus meinen Fehlern lernen. Eine wirklich tolle Sache. Ich weiß aus Erfahrung bei vielen anderen Dingen, dass mir oft im ersten Wurf noch nicht das beste Endergebnis gelingt. Und dann mach ich es besser, und am Ende bin ich richtig stolz auf die Entwicklung, die ich dabei hingelegt habe.

Es ist ein Prozess, und der darf auch Spaß machen, wenn es mal nicht fehlerfrei läuft.

Und das Beste ist: Am Ende wird mein Buch immer noch Fehler haben. Aus denen kann ich dann fürs nächste Buch lernen.

Labertasche

Menschen, die mich schon ein wenig länger kennen, wissen, dass ich manchmal eine ziemliche Labertasche bin. Sprich, ich rede gerne und durchaus viel. Und ich gebe zu, ich könnte mich hier und da durchaus kürzer fassen.

Vielleicht laber ich nur deshalb so viel, weil mir die Gelegenheit fehlt, meinen Drang mich auszudrücken auszuleben. Womöglich werde ich gar wortkarg, wenn ich den ganzen Tag schreibe und mir dadurch die fehlende Gelegenheit schaffe.

Sehr unwahrscheinlich.

Aber durchaus möglich. Wäre vielleicht mal ein Experiment wert.

Wenn ich ein Schweige-Retreat mitmachen müsste, wäre Schreiben eventuell die einzige Möglichkeit für mich, das überhaupt zu überleben. Und nicht irgendwann zu platzen. Aber ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, was mit mir passieren würde, wenn ich längere Zeit schweigen müsste. Abgesehen davon schweige ich sogar sehr viel. Ich wohne alleine, und am Wochenende kann es schonmal passieren, dass ich den ganzen Tag lang nichts sage. Oder vielleicht nur drei Worte mit der Nachbarin wechsle. Wobei das schwer von der Nachbarin abhängt. Ich habe sehr liebe Nachbarn, die sich aber durchaus auch auf einem Labertaschenspektrum bewegen, das mich in den Schatten stellt.

Schwer zu glauben, aber es gibt Menschen, die reden noch mehr als ich, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt!

Ich finde das aber eine interessante Frage, auf die ich nochmal zurückkommen möchte. Wenn ich mein Mitteilungsbedürfnis in Form von Geschriebenem auslebe, rede ich dann weniger? Ich blogge ja nun schon seit einer Weile, aber mal ehrlich, dass bisschen Artikel, was ich täglich schreibe, reicht ja grade mal für ein paar Sekunden Unterhaltung. Wenn ich da spürbare Effekte sehen will, muss ich vermutlich ganze Bücher schreiben.

Ach halt! Das mache ich ja! Nur eben nicht grade ein ganzes Buch an einem Tag. Das schaffe ich einfach nicht. Ich bin ja schon froh, wenn ich meine 500 bis 1000 Worte schaffe. Das gleicht auch nicht gerade eine stundenlange Unterhaltung aus.

Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, ich denke der Mensch braucht einen zwischenmenschlichen Dialog. Für Alleinlebende bedeutet das, dass sie ihre unbedarften Mitmenschen eben ab und zu in einer Wortflut ertränken. Zugegeben, nicht alle Singles sind so, schließlich ist nicht jeder Mensch gleich. Individualismus ist erlaubt.

Aber mir stellt sich da noch eine andere Frage: Labere ich auch so viel in meinem Roman? Womöglich muss ich erstmal 200.000 Wörter schreiben, damit ich genug Stoff habe um die unnötigen 100.000 Wörter Gelaber wieder rausstreichen zu können und trotzdem noch eine Geschichte zu haben. Wir werden sehen.

Für heute habe ich jedenfalls genug gelabert.

Sie-Erzähler

Normalerweise schreibt Vivi ihre Beiträge aus der Perspektive des Ich-Erzählers. Das fühlt sich für sie auch sehr natürlich an, schließlich schreibt sie über ihre höchst eigenen Erfahrungen. In ihren Buchprojekten benutzt sie hingehen eher den personalen Erzähler, also aus der Sicht eines oder mehrerer Protagonisten, in dritter Person.

Während ihr die dritte Person für Romane ganz gut von der Hand geht, tut sie das für einen Blogartikel eher nicht. Vivi muss hier aus ihrer Komfortzone raus. Das tut sie sowieso hin und wieder ganz gerne, und empfiehlt es hiermit auch gerne ihren Lesen, das ab und zu mal zu machen. Meistens tun sich da ganz neue Erkenntnisse und Erfahrungen auf.

Im Moment quält sie sich durch die Erfahrung, über sich selber in der dritten Person zu schreiben. Aber das wird vielleicht nach einer Weile etwas weniger schlimm. Wir werden sehen. Aktuell denkt sie sich noch, was für eine blöde Idee das war.

Im Gegensatz dazu ist es aber vielleicht eine ganz gute Idee, auch mal im Roman die Perspektive zu wechseln und den Ich-Erzähler zu benutzen. Auch da tun sich ganz andere Möglichkeiten auf. Es lässt vor allem eine viel intensivere Identifikation mit der Hauptfigur zu. Allerdings macht das einen Wechsel von Erzählsträngen auf andere Personen wiederum schwierig. Wenn es nicht nur eine Person gibt, die durch die gesamte Handlung treibt, wie erzählt man dann die anderen Teile?

Es gibt auch die Möglichkeit, die Erzählperspektive zu wechseln. Allerdings ist das eher ungewöhnlich. Ich denke, das lass ich lieber sein.

An dieser Stelle macht Vivi eine kurze Pause um zu überlegen, wie sie die Kurve kriegt. Zu einem halbwegs sinnvollen Artikel. Der hier fließt ihr nicht gut aus der Feder. Wenn man bedenkt, dass vorherige Artikel auch nicht unbedingt alle das Gelbe vom Ei waren, macht sie sich aber völlig unnötig Sorgen. Ein bisschen ringt sie ja immer noch mit dem Perfektionismus, und fragt sich, ob ihre Artikel nicht eher als Schlaftablette dienen.

Aber sie entwickelt sich ja noch. Das darf man alles nicht so eng sehen. Und so lange es Spaß macht, wird sie auch weiter experimentieren.

Dialog

“Du sag mal…”
“Ja?”
“Wie schreibt man gute Dialoge?”
“Puh. Gute Frage. Lass mich da kurz drüber nachdenken.”

“Na? Hast du nachgedacht?”
“Ja. Aber ich weiß es ehrlich gesagt nicht.”
“Echt jetzt? Wie lange hast du nachgedacht? Eine Stunde?? Und jetzt sagst du mir, dass du es nicht weißt? Das hättest du mir auch gleich sagen können.”
“Aber dann wäre es nicht so spannend gewesen.”
“Pff, nicht so spannend, ich hab eine Stunde meines Lebens verschwendet, weil ich dachte, da kommt jetzt eine mega tolle Antwort. Nicht so spannend! Ich fasse es nicht.”
“Bist du sauer?”
“Mmmm.”
“Also, bist du jetzt sauer?”
“Mmmm! Ja!”
“Ach komm.”
“Ach komm selber!”
“Jetzt sei doch nicht so, das war doch nur ein Spaß.”
“Ich fand es nicht lustig.”
“Ist mir aufgefallen.”
“Dann tut es dir leid?”
“Nö. Ich sag nur, es ist mir aufgefallen.”
“Du machst das mit Absicht, oder? Du willst mich in den Wahnsinn treiben.”
“Wenn du das denkst…”
“Ja!”

“Ich hab vielleicht doch eine Antwort.”
“Ach was, jetzt auf einmal?”
“Mir ist eben doch noch was eingefallen: Gute Dialoge muss man üben. Je mehr Dialoge man schreibt, desto besser werden sie.”
“So wie dieser hier?”
“Ja, genau. Der ist bestimmt noch nicht so sehr gut. Das macht aber nichts, der nächste wird vielleicht besser.”
“Der nächste ärgert mich vielleicht nicht so.”
“Möglich.”
“Und das ist alles?”
“Woher soll ich das denn wissen? Ich bin nur die eine Hälfte vom Dialog. Du solltest genauso viel beitragen können wie ich.”
“Wieso?”
“Na ja, weil… also. Du bist eben die andere Hälfte.”
“Ja und?”
“Ohne dich funktioniert es nicht.”
“Schön, das freut mich. Aber ich verstehe nicht, was das damit zu tun hat.”
“Womit hat was zu tun?”
“Ähm, das war doch deine These?”
“Was?”
“Ja.”
“Worum ging es nochmal?”
“Wie schreibt man gute Dialoge?”
“Puh. Gute Frage. Lass mich da kurz drüber nachdenken.”


Silentium!

Manchmal braucht man Ruhe. Die Nachbarskinder toben, irgendwer im Haus spielt Klavier, über mir fallen Dinge zu Boden. Silentium! Stille ist ein wichtiges Hilfsmittel. Unter anderem auch, um in den Flow zu kommen.

Jetzt ist das aber nicht immer so einfach zu bekommen. Ich habe Noise-Cancelling In-Ear Headphones. Das klingt schon schrecklich, wenn man es liest. Ich versuche es nochmal: Ich habe lärmunterdrückende Ohrhörer. Na, schon bisschen besser, aber immer noch nicht toll. Es ist erstaunlich, das etwas, was die Ohren schonen sollte sich so grauslich anhört, dass es einem den Ohrschmalz aufheizt.

Wie auch immer, die funktionieren nicht zu meiner Zufriedenheit. Manche Geräusche klingen seltsam verzerrt immer noch durch. Und ich mag es nicht, wenn meine Ohren abgedichtet sind. Das fühlt sich unnatürlich an. Das Geräusch meiner tippenden Finger darf schon noch zu hören sein.

Stattdessen kann ich Musik hören. Aber auch das hat seine Tücken. Wenn ich ablenkungsfrei schreiben will, brauche ich Musik ohne Gesang. Jedenfalls nichts mit Text, das bringt mich sonst gerne mal raus. Dafür kann die richtige Art von Musik geradezu antreibend und motivierend sein. Naturgeräusche finde ich auch schön, aber meistens klingen die dann doch irgendwann künstlich. Beispielsweise, weil die immer gleichen Klänge auf Endlosschleife laufen und sich das Gehirn davon nicht täuschen lässt.

Schwierige Angelegenheit! Aber tatsächlich stört mich die Geräuschkulisse gar nicht unbedingt so sehr. Es kommt schon darauf an, wie sehr ich mich konzentrieren muss. Und wenn ich schon mal mittendrin bin und im Flow angekommen, fällt mir es mir oftmals gar nicht mehr auf.

Am schönsten wäre es, tatsächlich völlig ungestört in der freien Natur zu sitzen und in angenehmer Stille, nur begleitet von leichtem Hintergrundrauschen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Die aktuelle Wetterlage verhindert, dass ich das komfortabel machen kann. Und ich müsste dazu vermutlich erst mal eine ganze Weile fahren, bis ich ein Fleckchen Erde finde, wo ich wirklich ungestört bin. Aber im Sommer probiere ich das sicher mal aus.

Derweil begnüge ich mich mit medium silentium. Besser als nix.

Antizipation

Antizipation oder auch Vorwegnahme ist ein interessantes Stilelement. Es kann erheblich die Spannung steigern, wenn man spätere Ereignisse vorab andeutet.

Allerdings sollte man es damit nicht übertreiben. Wenn man zu viel verrät, ist die Spannung nämlich dahin. Der Leser sollte nicht schon zu früh ahnen können, wie die Geschichte ausgeht. Und da liegt eine gewisse Gefahr im Versuch, eine spannende Geschichte zu schreiben. Das Ganze sollte nicht zu früh durchschaubar sein.

Es gibt nichts Langweiligeres als einen Krimi, bei dem schon nach den ersten Seiten klar ist, wer es gewesen ist, aber das ganze Buch sich nur um die Aufklärung des Falls dreht. Was anderes ist es, wenn bewusst der Mörder gleich am Anfang enthüllt wird, aber die Spannung aus etwas anderem heraus entsteht, beispielsweise die Frage, warum er es getan hat.

Man kann der Geschichte aber nicht nur vorgreifen, auch Rückblenden sind interessant. So fügen sich nach und nach immer mehr Puzzleteile aus Geschehnissen in ein Gesamtbild zusammen, was die aktuelle Situation erklärt.

Möchte man sich sicher sein, dass der Leser die Geschichte nicht durchschaut, kann man überraschende Wendungen einbauen, die sich durch nichts vorher abgezeichnet haben.

Ich beschäftige mich gerade mit verschiedenen Zeitlinien. Also eher dem Thema Rückblenden. Das fällt mir relativ leicht und ist sicher auch eine ganz gute Sache. Aber will ich den Leser ein bisschen in die Zukunft schauen lassen? Das muss ich erst mal üben und dann schauen, ob es mir gefällt.

Da war es wieder dieses Wort…. Üben.

Aber gerade, wenn es um verschiedene Stilelemente geht, kann man eine Menge üben. Ich habe mir also vorgenommen, Antizipation zu üben. Das macht das Romanschreiben jedenfalls auch wieder für mich spannend. Wie setze ich das denn um? Ich denke, ich werde einfach mal ein bisschen experimentieren.

Warum ich euch das erzähle? Gute Frage, aber ich vermute, es hat keiner damit gerechnet, dass ich heute ausgerechnet darüber schreiben werde. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Das war ein sehr spontaner Gedanke.

Ich hab ihn gar nicht kommen sehen.

Word Count

Ich bin gerade dabei, neue Motivation für mein Buchprojekt zu finden. Zeit wird’s! Der Durchhänger hängt noch ganz schön tief, aber ich habe das Gefühl, es geht bald wieder aufwärts. Und da muss ich vielleicht nochmal ein bisschen an meinen Deadlines schrauben. An dieser Stelle frage ich mich, ob ich mir überhaupt realistische Zeitrahmen setze. Wie sollte mein täglicher Word Count eigentlich aussehen, wenn ich in einem bestimmten Zeitraum einen ganzen Roman fertig haben will?

Nun, das hängt natürlich davon ab, wie lang der fertige Roman sein soll. Das ist schwierig zu beurteilen, bevor der Roman fertig ist.

Hmm. Aber man kann ja mal pi mal Daumen überschlagen und grobe Richtwerte finden. Also gut. Eine Normseite enthält circa 250 Wörter. Ein mittlerer Roman findet sich bei etwa 400 Seiten, macht summa summarum 100.000 Wörter. Möchte ich einen solchen Roman in 30 Tagen schreiben, muss ich 3.333 Wörter pro Tag schreiben.

Für die Korinthenkacker: Ja, ich weiß, an einem Tag muss ich zehn extra Wörter schreiben.

In Seiten gerechnet heißt das etwa dreizehneinhalb Seiten pro Tag. Und die Korinthenkacker sollen mir vom Leib bleiben.

Da ist noch nicht das ganze drumherum mit eingerechnet, wie Plot erstellen, Charaktere ausarbeiten oder Hintergrund erschaffen. Vom Korrekturlesen ganz zu schweigen.

Es stellt sich daher die berechtigte Frage, ob es realistisch ist, ein Buch in einem Monat zu schreiben, wenn man das als Nebenjob betreibt. Für mich ist das jedenfalls nicht realistisch.

Gehen wir es mal von der anderen Seite an. Was wäre denn realistisch für mich? Ich würde mal sagen, 500 bis 1000 Wörter pro Tag sind drin. Das macht also zwei bis vier Seiten. Und damit wäre ein Roman in 100 bis 200 Tagen runtergeschrieben. Overhead, siehe oben, nicht mitgerechnet. So gesehen ist es möglich, bis Jahresende fertig zu werden, zumal ich ja nicht bei Null anfange, sondern schon ein Fünftel geschrieben habe.

Vorausgesetzt, es kommen keine weiteren Durchhänger oder sonstige Katastrophen. Aber ich bin zuversichtlich. Ich habe vielleicht ja auch Momente, wo ich deutlich mehr schreibe, als die 500 bis 1000 Worte. Schreibwutanfälle und Flowerlebnisse können da durchaus hilfreich sein.

Mal sehen, was kommt – aber erst muss der Durchhänger gehen.

Künstlerische Freiheit

Im Moment fühle ich mich nicht sehr frei. Allerdings auch nicht sehr künstlerisch. Künstlerische Freiheit nicht in Sicht.

Eigentlich bedeutet künstlerische Freiheit ja, dass man sich in seinen Werken Dinge herausnimmt, die man sich in anderen Umständen nicht erlauben würde. Eine Abweichung von der Norm, wie auch immer diese aussieht. Sei es, dass man wahre Begebenheiten verändert, beschönigt, dramatisiert oder ausschmückt. Im literarischen Sinne fällt es jedoch auch unter künstlerische Freiheit, wenn man mit Grammatik und Worten spielt.

Und da bin ich dann wieder im Spiel. Im Wortspiel, sozusagen. Das macht mir wirklich Spaß und ich sollte es vielleicht öfters spielen. Dem geneigten Leser meines Blogs dürfte schon aufgefallen sein, dass ich mir in Sachen Wortschöpfung auch so meine Freiheiten gönne. Ich nehme mich dabei nicht so bierernst, dass ich mir groß Gedanken darum machen würde, ob das jetzt schicklich ist oder nicht.

Während ich kein Problem damit habe, surreale Worte zu schöpfen, wie es mir gerade in den Kram passt, tue ich mich an anderer Stelle mit der Freiheit schwer. Momentan fühle ich mich im Alltag gefangen, zum Beispiel. Wahrscheinlich geht es vielen Menschen gerade so. Man ist ja auch mehr oder weniger zu Hause eingesperrt.

Aber auch das ist noch nicht der Kern meines Problems. Vielleicht gibt es überhaupt kein Problem und ich mache mir nur eins. Ich fühle mich aktuell geistig und kreativ eingeengt. Wortspiele schön und gut. Ideen, auch vorhanden. Aber irgendwas fehlt mir. Ich habe das Gefühl, ich denke zu klein, zu eingeengt.

Möglicherweise brauche ich einfach mal eine Luftveränderung. Eine Reise. Ein neues Inspirationspartikel.

Oft genug haben wir die Freiheit, aber wir trauen uns einfach nicht. Wir sind wie der Elefant, der an einen kleinen Pflock gekettet ist. Er flieht nicht, weil er als kleiner Elefant gelernt hat, dass er nicht stark genug ist, um sich vom Pflock loszureißen. Als ausgewachsener Elefant stellt der Pflock kein echtes Hindernis mehr dar, aber der Elefant ist inzwischen geistig in seiner kleinen Welt gefangen und kommt gar nicht auf die Idee, sich losreißen zu wollen. Und er traut sich schon gar nicht, es überhaupt zu probieren.

Vermutlich haben wir alle mehr Freiheit als wir denken. Wir müssen nur erst lernen, uns diese Freiheit auch heraus zu nehmen.

Ich habe da bestimmt noch eine ganze Menge zu lernen.