Charakterentwicklung

Der beste Plot kommt nicht weit, wenn er nicht von Protagonisten vorangetrieben wird. Schon wieder wird dem armen Kerl ganz schön zugesetzt. Aber das Leben ist eben hart. Nun ist es auch für besagte Protagonisten nicht unbedingt ein Zuckerschlecken, die müssen nämlich durch die harte Schule der Charakterentwicklung.

Zunächst mal muss ich als Autor eine Idee entwickeln, wer da überhaupt in meinem Roman so vor sich hin agiert. Das sind womöglich und empfehlenswerter Weise mehrere Personen. Es kann auch spannend sein, wenn einer alleine sich durchkämpft. Aber es ist wesentlich leichter, eine interessante Geschichte zu erdenken, wenn man ein bisschen Auswahl an Spielfiguren hat.

Also gut, wenn es mehr als einer ist, muss ich mir auch für mehr als einen Gedanken machen, wer das so ist und was ihn motiviert so zu handeln wie er handelt. Aber damit ist es noch nicht getan.

Zumindest für meine Hauptcharaktere muss ich mir auch überlegen, welche Entwicklung die in der Geschichte durchmachen. An Konflikten und Herausforderungen wächst man, das muss sich natürlich in den Protagonisten wiederfinden.

Gute Charaktere sollten nicht zu eindimensional sein. Denn sonst werden sie schnell todlangweilig. Mal abgesehen davon, dass es mich in eine schwere moralische Krise stürzen würde, wenn meine Leser durch die Lektüre meines Romans sterben würden, ist das das genaue Gegenteil von dem, was ich erreichen will. Ich möchte ja, dass meine Leser sich mit meinen Charakteren identifizieren können, mit ihnen mitfiebern und unbedingt wissen wollen, wie sie am Ende aus dem ganzen Schlamassel heil wieder rauskommen.

Dazu brauche ich ein bisschen Vielschichtigkeit, eine Prise Gefühlswelt, ein paar Ecken und Kanten und die ein oder andere Schwäche. So wie das bei echten Menschen eben auch ist. Denn dann kann ein Leser Empathie mit meinen Charakteren empfinden und durchlebt die Höhen und Tiefen und besagte Charakterentwicklung hautnah mit.

Sollte doch gar nicht so schwer sein. Vielleicht kann ich bei meinen Nachbarn abgucken.

Dann muss ich mir nur noch überlegen, wie Hans-Dieter aus dem dritten Stock möglichst glaubhaft seinen Hintern vom Sofa schwingt, die Tennissocken hochzieht, in die Birkenstocks schlüpft, seiner Frau einen Abschiedskuss auf die Wange drückt und den Plot antreiben geht.

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