Gemütlichkeit

Was bedeutet eigentlich Gemütlichkeit? Andere Sprachen kennen dieses Wort in der vollen Breite und Tiefe der deutschen Bedeutung gar nicht. Angeblich. Aber wenn man den Zustand ausreichend umschreiben kann, reicht das ja auch.

Zum Beispiel hat man jede Menge Gemütlichkeit, wenn man mit einem leckeren Kakao bei angenehmer Musik, in eine Decke eingekuschelt auf dem Sofa liegt und ein gutes Buch liest. Das klingt doch richtig gemütlich, oder?

Eine gesellige Runde am Lagerfeuer mit Freunden, einer spielt ein bisschen auf der Gitarre, die Grillen zirpen, der Wind rauscht durch die Blätter der Bäume, man lacht, man trinkt, man quatscht.

Auf der Berghütte der Sessel vor dem Kamin, der Boden davor mit Kissen und Decken ausgelegt, eine Duftlampe, die wohligen Zedern- und Orangenduft verbreitet.

Da finden sich noch mehr Beispiele, aber die oben genannten haben alle eins gemeinsam: es ist warm.

Wärme scheint also eine Rolle zu spielen. Zumindest ist das mein Eindruck. Kann man auch Gemütlichkeit herstellen, wenn es kalt ist? Wir probieren das mal:

Eine kühle, feuchte Höhle, die wie ein massiver Samtvorhang die schwüle Tropenhitze draußen hält. Da, ein flacher Felsen auf dem Boden, die ideale Sitzgelegenheit, um zu verschnaufen und sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Endlich. Ein Schluck aus der Feldflasche, metallisch, warm, fast schon zäh, aber eine willkommene Abkühlung. Leises Gelächter, das von den Wänden widerhallt. Eine schöne Pause, Entspannen, Durchatmen, die Kühle genießen, bevor es weiter geht. Gemütlich?

Hmm. Ich weiß nicht so recht.

Ok, was anderes. Zu dritt beim Langlaufen in den Alpen. Der Schnee liegt meterhoch, die Loipe führt in eine kleine, sonnenbeschienene Hochebene. Eine zugeschneite Almhütte bietet auf einem Holzstapel vor der Wand einen schneefreien Rastplatz. Man lässt sich nieder, packt den Proviant aus, beißt hungrig und müde vom anstrengenden Aufstieg ins Brot. Die Stille und der blaue Himmel sind überwältigend. Einer packt die Thermoskanne aus, füllt drei Becher mit dampfendem Kräutertee. Die kalten Finger dankbar an der Tasse wärmend, die roten Nasen über dem Teeduft, schweigend, genießend, nebeneinander sitzend. Gemütlich? Ja, schon. Aber da war sie wieder, die Wärme.

Der warme Tee ist entscheidend.

Und ich hab jetzt kalte Füße und finde es fürchterlich ungemütlich.

Montagmorgenfokus

Kaum ist der Sonntagabendblues durch eine Nacht voll Schlaf hinweggefegt, geht mit der frischen Morgensonne der Montagmorgenfokus auf.

Für mich besteht dieser Montagmorgenfokus aus zwei Dingen:

Erstens keimt in mir eine Mischung aus Vorfreude und Tatendrang auf, geschürt durch die Aussicht auf eine neue Woche voller Möglichkeiten.

Und zweitens habe ich einfach keine Lust.

Das klingt paradox und ist es vermutlich auch. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich kein normaler Mensch bin, sondern ein humanoid geformter Sack voller Widersprüche.

Und weil ich vom Kaffee entwöhnt bin, und von der Vollmondnacht wild durcheinander geträumt, aber nicht genug Tiefschlaf getankt habe, kriege ich grade trotz Tatendrang kaum den Hintern hoch. Der möchte lieber im kuschligen Bett bleiben und die Taten woanders drängen lassen.

Aber da kommen wir wieder zum Thema Arbeitsplatz. Warum nicht mal einen Tag im Bett liegend arbeiten? Ach ja, richtig, es ist schlecht für den Rücken. Abgesehen davon neige ich dazu, einfach einzuschlafen, wenn ich im Bett liege. Woran das wohl liegen mag?

Außerdem macht Duschen ja auch Spaß. Und vielleicht wach. Und ein bisschen Frühsport steht auch auf dem Programm, und danach ist das Bett dann eh schon kalt.

Also schön.

Aufstehen. Duschen. Woche anfangen.

Wenn ich jetzt gestern Abend meine Vorwoche reflektiert hätte, wäre das eine schöne Gelegenheit, sich das nochmal anzusehen. Und die kommende Woche ein bisschen zu planen. So langsam bekomme ich Lust, dieses Ritual tatsächlich einzuführen.

Es kann jedenfalls nicht schaden, es einmal auszuprobieren.

Insbesondere, wenn ich mich wieder größeren Projekten zuwende, wie zum Beispiel einen Roman zu schreiben, kann es sehr motivierend sein, sich den Fortschritt der letzten Woche anzusehen und sich einen Plan für die nächsten sieben Tage zurechtzulegen.

Und so ein Montagmorgenfokus kommt da doch gerade recht, um genau das zu tun.

Sonntagabendblues

Hoppla, schon wieder eine Woche rum. Das ging schneller als erwartet. Wobei mir das irgendwie derzeit jeden Sonntag Abend so geht, und ich es durchaus erwarten könnte. Dass ich es dennoch nicht tue, schiebe ich auf den Sonntagabendblues.

Muss ich dieses Wort erklären? Vermutlich nicht. Wer sich nichts darunter vorstellen kann, gehört entweder zur glücklichen Spezies der völlig frei von den Zwängen der Zivilisation Lebenden oder ist einfach die ganze Woche über im Blues.

Hoffentlich gehöre ich irgendwann zur ersteren Gruppe.

Dieses Gefühl, dass die Woche einem noch etwas schuldig bleibt, dass man nicht alles getan hat, was man denn hätte tun sollen oder tun wollen, dieses noch nicht fertig sein, aber die Zeit ist um, ist einfach kein sehr gutes Gefühl.

Meistens komme ich dennoch ganz gut damit klar, aber es wäre schöner, wenn das gar nicht erst so aufkommen würde. Was helfen kann, ist eine Wochenreflektion.

Hinsetzen, Nachdenken, Aufschreiben: Was habe ich die Woche alles erreicht, welche Erfolge hatte ich, welche schönen Erlebnisse, was lief besser als erwartet, etc.

Lasst mich das mal versuchen. Also, äh, ja. Da war, hmm. Nichts?

Ich fang einfach nächste Woche damit an.

Nein, halt, nicht gleich wieder so negativ. Tatsächlich gab es diese Woche neben einigem, was gar nicht so lief wie gewünscht auch eine Menge, was besser oder sogar unerwartet gut lief!

Allerdings behalte ich das doch eher für mich. Ihr werdet mir hoffentlich verzeihen, dass ich das jetzt angeteasert habe und dann doch nicht liefere. Und ich möchte an dieser Stelle einfach nur darauf hinweisen, dass es eben sehr hilfreich sein kann, seine Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.

Anstatt diesem guten Rat zu folgen, mache ich es mir lieber im Bett bequem. Dass ich gute Ratschläge auch gerne mal in den Wind schlage, habe ich ja schon bewiesen.

Ein gewisses Laissez-faire ist mir jedenfalls aktuell lieber. Wobei ich doch über das ein oder andere schöne, was mir diese Woche widerfahren ist, sinniere. Und eine Sache, die ich als Erfolg verbuche, ist die Tatsache, dass ich wieder recht aktiv blogge. Ich habe derzeit so richtig Lust auf Schreiben, fühle mich inspiriert und produktiv.

Und die neue Woche wird mir bestimmt auch weiterhin viel Inspiration bieten. Also kann ich den Sonntagabendblues hinter mir lassen und mich jetzt genauso gut auf den Montag freuen.

Und zufrieden einschlafen.

Sofern der Vollmond mich lässt.

Schreibwetter

Ich habe schon darüber geschrieben, wie die Natur dabei helfen kann, kreativ zu sein. Und manchmal ist auch das passende Wetter super inspirierend. Dann hat es Schreibwetter.

Was ist dieses ominöse Schreibwetter? Das lässt sich nur schwer beschreiben.

Aber komm, ich schimpfe mich Autorin, als solche sollte es mir ein leichtes sein, komplizierte Dinge zu beschreiben.

Ich versuche mich also mal dran.

Schreibwetter ist diese besondere Stimmung draußen, die die künstlerische Schaffenskraft anregt. Sei es, dass der Himmel eine besondere Farbe hat, dass die Wolken ein verträumtes Muster formen, die Luft einen bestimmten Geruch hat. Die Atmosphäre hat eine bestimmte Dichte, eine Leichtigkeit oder eine Schwere, je nachdem. Es hängt auch manchmal davon ab, was man schreiben will. Die stürmische Nacht, mit Regen, der an die Fenster peitscht, Donner, Windgeheul, ächzende Bäume, jaulende Tiere, etc., schreit nach Horrorgeschichte. Die sanfte Abendstimmung in einem duftendem Rosengarten natürlich nach Herzschmerz. Aber es muss nicht immer ganz so platt zum Genre passen, es gibt auch einfach eine persönliche Vorliebe für eine bestimmte Grundstimmung. Bei mir ist meist komischerweise grau in grau, mit einem Touch Regen und einer leichten Brise Gras sehr inspirierend.

Aber auch ein schöner Sonnenuntergang ist sehr förderlich.

Nicht nur fürs Schreiben, sondern auch für den sprichwörtlichen Sundowner, aber ab und zu muss die Kreativität auch mal ein bisschen Entspannung haben.

Und überhaupt, entspannt kreativt es sich ja eh leichter. Wobei mich das zu einem anderen interessanten Thema bringt, wo wir grade vom Sundowner sprechen: Ein bisschen besoffen oder bekifft scheint ja für viele Künstler auch nochmal hilfreich zu sein. Offenbar werden da ganz andere Kreativitätssynapsen aus einer Schatzkiste entlassen, die im nüchternen Zustand verschlossen bleibt.

Ob man sich jetzt an einem schönen Himmel oder an einem leckeren Drink berauscht (oder an beidem) ist aber letztlich nicht entscheidend.

Das Gefühl, der Drang, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt kreativ ausdrücken zu wollen, kann durch vieles ausgelöst werden. Man muss nur einfach offen dafür sein.

Musenknutscherei

Die Muse kam zum Knutschen vorbei, soweit die guten Nachrichten. Dennoch, da hab ich in meinem letzten Artikel mein Krönchen gerichtet, um weiterzumachen und trotzdem monatelang nichts von mir hören lassen.

Was ist da bloß los?

Tatsächlich habe ich in der Zeit nichts geschrieben, weder Blogartikel noch Roman noch sonst irgendwas. Ich habe mich stattdessen einer anderen Kunstform zugewandt, dem Zeichnen.

Das Zeichnen ist eine Leidenschaft seit frühester Jugend. Alle meine Zeichenlehrer bis auf einen waren schier begeistert von meinen Kunstwerken, und haben mir gesagt, dass ich später irgendwas mit Kunst machen soll. Dieser eine war dann leider mein Fallstrick im Kunst-LK. Wir haben uns nicht so recht verstanden. Nach dem Abitur, was im Fach Kunst wirklich nicht gut ausfiel, hatte ich die Lust am Malen gründlich verloren.

Das ist lange her, kommen wir zum hier und jetzt. Die Muse, die mich eine lange Zeit lang völlig ignoriert hatte, kam mal wieder vorbeigeschneit, aber hatte was ganz anderes im Sinn, als Schreiben. So sind sie, die kreativen Geister.

Also habe ich mich in den letzten Monaten mit großer Begeisterung dem Zeichnen zugewandt, und ich habe nicht vor, so schnell wieder damit aufzuhören.

Und was ist jetzt mit dem Schreiben? Das werde ich auch wieder aufnehmen.

Ich mache einfach beides.

Jetzt hört man viel darüber, dass man sich nur auf eine Sache fokussieren soll, wenn man damit erfolgreich sein will. Es gibt sogar ganze Bücher zu dem Thema, eines davon heißt „The One Thing“. Ich kann es empfehlen, ich habe es gelesen.

Sich auf eine Sache zu fokussieren und nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, ist ein gänzlich hervorragender Ratschlag.

Den ich an dieser Stelle mit einer eleganten Vorhand und ordentlich Schmackes zurück in den Wind schlage.

Denn ich muss zugeben, ich habe einfach zu viele Interessen, um mich dauerhaft nur mit einer Sache zu beschäftigen. Möglicherweise bleibt dadurch der große Durchbruch in einer Sache aus. Oder kommt deutlich später.

Aber das Leben soll ja auch Spaß machen, und es macht mir nun mal Spaß, meine Kreativität auszubreiten, statt auf eine Sache einzuengen.

Krönchen richten

Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten.

Oder auch: wie fängt man wieder an, wenn man gescheitert ist?

Da setzt man sich Ziele, baut Routinen auf, reflektiert die Fortschritte, lädt die Öffentlichkeit dazu ein, und verschwindet dann sang- und klanglos in der Versenkung.

Schuldig im Sinne der Anklage.

Was ist also passiert, dass ich von einem Tag auf den anderen aufgehört habe zu Schreiben? Sicherlich, da gibt es Gründe. Vielleicht sogar gute Gründe. Ich will hier nicht näher darauf eingehen, denn das tut nichts zur Sache. Die Sache ist nicht, wie und warum ich aufgehört habe, sondern wie ich wieder anfange.

Millionen Menschen da draußen, die Monat für Monat eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio bezahlen ohne hinzugehen, wissen, wovon ich spreche.

Anfangs läuft es gut. Man geht regelmäßig zum Training, erzielt Fortschritte, lebt sich in eine Routine ein. Erst ein paar Wochen, dann Monate, irgendwann ist man sich relativ sicher, dass eine Gewohnheit entstanden ist. Doch dann wirft einen irgendetwas aus der Bahn. Zunächst sagt man sich, dass das nur temporär ist. Gewohnheit ist Gewohnheit und sicherlich, wenn die Umstände sich wieder normalisieren, geht alles weiter wie vorher.

Nun, was, wenn die Umstände sich nicht wieder normalisieren? Oder selbst wenn sie sich normalisieren, eventuell ist dann einiges an Zeit vergangen. Und die Gewohnheit ist definitiv keine solche mehr.

Und eigentlich, wenn ich dieses Unwort mal wieder bemühen darf, eigentlich würde man gerne wieder anfangen.

Aber da ist die Scham über das eigene Versagen. Die Unsicherheit, wie gut man noch ist. Wie viel Fortschritt hat man verloren? Macht man sich direkt zur peinlichen Lachnummer, wenn man wieder „von vorne“ anfängt?

Nun, diese Selbstzweifel sind zutiefst menschlich. Und normal. Aber normal heißt nicht unbedingt gut.

Normal ist normalerweise nur deswegen normal, weil es leichter ist als die Alternativen und deswegen tun es so viele Menschen.

Und vielleicht hat man auch einfach nicht immer die Kraft und den Willen, dieses bequeme Normal zu überwinden und seine Selbstzweifel, seine Scham, seine Angst vor Blamage über Bord zu werfen.

Das Ding ist nur, man blamiert sich nicht, wenn man wieder anfängt. Es ist ein kleiner Sieg, wenn man sich aufrafft und den schweren Neuanfang wagt. Und meistens erhält man dafür von anderen keine Kritik, sondern Bewunderung und Lob. Die Trainigskumpel im Sportstudio werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sagen: „Was willst du denn noch hier, wir haben dich schon längst abgeschrieben und schau dir mal deinen neuen Schwabbelbauch an – geht ja gar nicht!“

Nein. Sie werden vermutlich sagen: „Hey, toll dass du wieder da bist, wir haben dich vermisst. Wie geht es dir? Brauchst du bei irgendwas Hilfe?“

Und wenn sie sowas nicht sagen, sind es keine guten Partner und dann kannst du auf die auch verzichten.

Ich weiß nicht, ob ich ab jetzt wieder täglich schreiben werde. Und meine Umstände haben sich in den letzten Monaten sehr, sehr stark verändert. Das soll keine Ausrede sein, einfach eine Feststellung.

Ich weiß daher noch nicht, wie ich weitermache. Und ob dieser Blog noch für mich passt.

Jedenfalls nehme ich den Faden wieder auf. Entscheidend ist nicht, wie gut man ist, wenn man wieder anfängt. Wie ungelenk, tollpatschig oder schwach man sich fühlt. Entscheidend ist, es einfach wieder zu tun.

Mein Krönchen ist leicht verbeult, aber wen stört es? Mich jedenfalls nicht. Aufsetzen, weitermachen.

Freitag, der 12.

Knapp daneben ist auch vorbei. Heute ist Freitag, und eben nicht der 13., sondern einfach nur Freitag, der 12. Schade eigentlich, aber die Frage, die ich mir dabei stelle, ist: Was macht den einen Tag so besonders und den anderen einfach nur gewöhnlich? Auf den ersten Blick scheint es doch keinen großen Unterschied zu machen, ob dieser Freitag nun der zwölfte oder der dreizehnte Tag im Monat ist.

Hmm. Rational und vernünftig betrachtet, ergibt es immer noch keinen großen Unterschied. Nicht mal einen kleinen, wenn man von der Differenz der beiden Zahlen mal absieht.

Womöglich liegt es daran, dass wir Menschen gerne irgendwelchen Dingen eine größere Bedeutung zuweisen. Wir lieben das Ungewöhnliche, das Unerklärliche, das Fantastische, das Unbegreifbare. Und daraus entstehen dann Aberglauben und irrationale Verklärungen oder Verteufelungen von so unschuldigen Ereignissen, wie bestimmten Freitagen. Wenn dieser seltene Zufall eintritt, dass ein Freitag auf den dreizehnten Tag eines Monats fällt, finden wir das dann plötzlich aufregend. Und erwarten, dass ganz viele Dinge schiefgehen oder schlimme Ereignisse eintreten. Was dann auch passiert. Das ist das Wesen der selbsterfüllenden Prophezeiung.

Und schon sind wir wieder in unserem irrationalen Glauben bestätigt: Freitag der 13. ist ein ganz besonderer Tag ist. Während uns Freitag, der 12. völlig kaltlässt.

Natürlich spielt da auch wieder die völlig individuelle Bewertung eine Rolle. Nichtsdestotrotz setzt sich solcherlei Aberglauben in der gesamten Bevölkerung fest. Es ist ein kulturelles Phänomen.

Und sowas kann man möglicherweise nutzen, um einer Geschichte einen interessanten Dreh zu geben. Menschen verhalten sich plötzlich ganz unerwartet. Oder sie interpretieren harmlose Zusammenhänge in eine völlig falsche Richtung. Dadurch kann man in den Plot Missverständnisse oder Konflikte einbauen. Und diese haben wiederum das Potenzial, sich bis hin zur tragischen Katastrophe aufzubauen. Alles bloß, weil einer der Protagonisten einem Aberglauben anhängt.

Tragisch, wirklich tragisch. Wäre doch bloß einfach nur Freitag, der 12. gewesen und nicht Freitag, der 13.

Reminiszenz

In Filmen ist das heutzutage ja gang und gäbe, dass man ältere Werke zitiert und damit eine gewisse Verehrung für das Werk ausdrückt. Oft geschieht diese Reminiszenz auf humorvolle Art und Weise, beispielsweise in einer Szene, wo ein Zitat aus einem anderen Film als Pointe eingesetzt wird. Oder eine Verballhornung eines Zitats kommt zum Einsatz. Manchmal werden ganze Szenen aus anderen Filmen nachgestellt aber dabei in einen Zusammenhang gesetzt, der mal mehr, mal weniger abstrus daher kommt.

Gibt es das auch in Büchern?

Theoretisch ja. Ich muss aber zugeben, dass mir jetzt kein Buch einfällt, wo mir sowas beim Lesen untergekommen wäre. Das mag an meiner mangelnden Bildung liegen oder daran, dass es einfach wesentlich seltener in Büchern Einsatz findet.

Dabei frage ich mich, wie sowas aussehen würde. Reicht es schon, dass ein Protagonist einen bekannten Satz sagt? Im Film kann man da ja viel mit Mimik, Gestik und Situationskomik arbeiten, im Buch ist das schwieriger. Wenn man die Szene erst lang und breit erklären muss, ist die Reminiszenz keine subtile Anspielung mehr, sondern ein plumper Holzhammer.

Das will ja keiner. Weder lesen noch schreiben.

Wenn man aber bei der subtilen Anspielung bleibt, kommt der Leser vielleicht nicht drauf. Aber das ist ok, auch im Film rechnet man damit, dass nicht jeder Zuschauer die Zitate erkennt. Prinzipiell sollte man davon ausgehen, dass die Geschichte und alle Pointen auch dann noch funktionieren, wenn die Konsumenten gar keine der Reminiszenzen erkennen. Und das gilt sowohl für Film als auch Buch.

Es macht natürlich mehr Spaß, wenn die Anspielung auch ankommt. Aber als Autor muss man sowieso damit leben, dass nicht alle Pointen zünden, Wortspiele nicht mitgespielt werden und eben auch nicht alle subtilen Anspielungen erkannt werden. Manches kann sogar irritieren, oder als schwacher Flachwitz rüberkommen, obwohl es ganz anders gemeint war.

Ich kann als Autor schlecht neben dem Leser sitzen und ihm beim Lesen mein Buch erklären.

Soweit kommts noch.

Aber es gibt ja Bücher über Bücher. Und Bücher über Filme und da steht dann all das drin, was man beim Lesen und Zuschauen nicht gerafft hat. Na ja, ich möchte nicht, dass meine Leser sowas brauchen, um mein Buch zu verstehen….

Schichtwechsel

Ich habe jetzt eine Zeit lang immer Abends geschrieben. Und mich dabei schon gefragt, ob das so auf Dauer gut funktioniert. Stellt sich raus, dass ich in letzter Zeit dazu neige, abends einfach direkt nach dem Abendessen auf dem Sofa einzuschlafen. Wenn ich Glück habe, wache ich nochmal zu einer vernünftigen Zeit auf, um noch ein bisschen Wachzeit zu verbringen und was zu schreiben. Wenn ich Pech habe, ist es so spät, dass ich dann nur noch ins Bett krabbeln will. Vielleicht wird es also jetzt mal Zeit für einen Schichtwechsel.

Morgens bin ich eben doch wesentlich frischer, und ich liebe diese Tageszeit sowieso.

Aber das ist alles nicht ganz so einfach für mich, meine Routinen hin und her zu jonglieren. Dann fallen die ganz leicht wieder irgendwo runter. Früher hätte mich das wahnsinnig gemacht und ich hätte mich direkt als Versager gefühlt. Inzwischen sehe ich es etwas gelassener. Dennoch, so ein Schichtwechsel hat Auswirkungen auf andere Routinen.

Ich muss meinen Morgen wieder neu erfinden, wenn ich das unterbringen will. Ist es mir aber wert. Einige andere Dinge sind in letzter Zeit auch nicht so rund gelaufen, es wird mal wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme, ein bisschen Ausmisten, und ein paar Anpassungen.

Das Leben verändert sich, und das ist auch gut so. Ich darf meine Routinen und Gewohnheiten auch ändern. Und meine Prioritäten neu setzen. Was mir letztes Jahr wichtig war, ist dieses Jahr vielleicht nicht mehr ganz so wichtig, dafür gibt es andere Dinge, die mich mehr umtreiben.

Dabei möchte ich natürlich nicht die Ziele aus den Augen verlieren, die ich mir gesetzt habe. Aber das ist auch nicht das Problem. Manchmal erreicht man seine Ziele sogar schneller, wenn man die Strategie dahin anpasst. Anpassungen sind also eine gute Sache. Und ein konstanter Prozess. Das ist etwas, was ich mir erst vor kurzem bewusst gemacht habe: Bloß, weil etwas im Moment gut ist, heißt es nicht, dass es das immer ist. Die Dinge hin und wieder überprüfen und Anpassungen zu machen, verhindert, das etwas unbemerkt schlecht wird.

Und da ist so ein Schichtwechsel ab und zu eine wirklich gute Maßnahme.

Reifenpanne

Manchmal, wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, passiert eine Reifenpanne. Wobei die verhältnismäßig harmlos ist. Jedenfalls, die Reifenpanne, die mir heute passiert ist, macht das Kraut nicht mehr fett, wie es so schön heißt.

Die Woche war bisher ganz schön fordernd und nervlich anstrengend. Als dann mein Reifen *poof* gemacht hat, habe ich mich vergleichsweise wenig aufgeregt. Es ist eben alles relativ. Vorher habe ich mich über andere Dinge aufgeregt, die mir die Woche so gründlich versaut haben, dass eine Reifenpanne mich kaum noch aus der Ruhe bringt.

Aber es bringt mich ein wenig zum Nachdenken. Mal wieder. Aber diesmal denke ich wirklich hinterher. Oder anders gesagt, ich reflektiere ein wenig über die Woche und die Tatsache, dass es höchst individuell ist und von der Situation abhängt, wie man die Gegebenheiten um sich herum bewertet. Hätte ich eine ganz tolle Woche gehabt, würde ich mich jetzt bestimmt ganz fürchterlich über den kaputten Reifen ärgern. Stattdessen lässt der mich grade total kalt. Schließlich gibt es schlimmeres.

Wenn es nun aber vornehmlich an der persönlichen Bewertung liegt, ob irgendetwas schlimm ist oder nicht, wieso findet man Dinge dann überhaupt schlimm? Man könnte sich ja genauso gut dazu entschließen es nicht schlimm zu finden. Eine Reifenpanne ist eine Reifenpanne, egal, was vorher oder nachher passiert. Wenn sie mich heute nicht juckt, warum sollte sie es überhaupt jemals irgendwann tun?

Bei so Ereignissen wie Reifenpannen ist das noch recht einfach. Und ich habe mich spontan dazu entschlossen, tatsächlich Reifenpannen und ähnliche Kleinigkeiten in Zukunft nicht mehr als Räuber meiner guten Laune anzusehen. Sprich, wenn ich 1. eh nichts dran ändern kann in der Situation, 2. kein leiblicher Schaden entstanden ist und 3. sich die Sache wieder reparieren lässt, gibt es wirklich gar keinen Grund, sich aufzuregen.

Bleiben noch die Sachen, die in mindestens einem der drei Punkte nicht zutreffen. Prinzipiell wäre es vermutlich gut, sich auch dann nicht aufzuregen, denn das verbessert die Situation im Normalfall nicht. Also egal, ob ich schimpfe wie ein Rohrspatz, schreie, weine, oder gar nichts tue, die Situation an sich bleibt gleich. Hm. Da lohnt sich der ganze emotionale Aufwand ja gar nicht.

Stimmt. Aber ich bin nur ein Mensch und manchmal auch ein emotionaler. Hin und wieder rege ich mich einfach auf. Es ändert die Situation nicht, aber Dampf ablassen ist gut für mein Seelenheil. Allerdings, wenn ich das ausreichend getan habe, kann ich dazu übergehen, es nicht mehr so schlimm zu finden. So der Plan.

Wieder was, was ich sicher üben kann. Sich aufregen ist ok, aber danach sollte ich wieder zur Gelassenheit finden können.

In diesem Sinne: Ommmmmm….