Durchhänger

Ich muss zugeben, meine Arbeitsorganisation lasse ich in letzter Zeit ziemlich schleifen. Trotzdem schreibe ich weiter an meinem Roman.

Großartig! Könnte man jetzt meinen, schließlich komme ich auch ohne Organisation vorwärts, das zeugt doch von hoher Motivation. Oder?

Nun ja. Dennoch dräut ein Durchhänger am Horizont.

Woher ich das weiß? Es gibt Anzeichen. Tatsächlich ist die vernachlässigte Arbeitsorganisation eher ein Zeichen von Demotivation. Wenn ich nicht mehr wirklich nachvollziehe, was ich getan habe und was noch zu tun ist, bemerke ich nicht mehr, wenn ich weniger mache, als ich eigentlich machen wollte. Unterbewusst weiß ich das natürlich und vermeide daher den Blick auf die Tatsachen.

Damit nicht genug. Mir kommen hinderliche Gedanken. Ich frage mich, ob dieses Buchprojekt nicht eine sinnlose Verschwendung meiner knapp bemessenen Freizeit ist. Schließlich ist es eher unwahrscheinlich, dass ich Erfolg haben werde. Ich könnte mich stattdessen einem meiner anderen Interessen und Hobbys zuwenden, die aktuell wenig bis gar keine Zeit bekommen. Vielleicht wären da vielversprechendere Projekte dabei, wer weiß?

Möglich. Ja, möglicherweise verschwende ich meine Zeit. Und dieses Gefühl ist kein angenehmes und führt irgendwann zu einem massiven Durchhänger.

Hmm. Aber kann man schon vor dem eigentlich Durchhänger etwas tun? Vorbeugen, gegensteuern, abwenden?

Ja, kann man. Es ist sehr hilfreich, dass ich jetzt schon bemerke, dass ich in ein Motivationsloch renne. Denn dann kann ich mich intensiv damit auseinandersetzen, warum ich das eigentlich unbedingt machen wollte, dieses Romaneschreiben. Warum habe ich damit angefangen und warum habe ich jetzt schon so viel Zeit investiert?

Achtung, hier lauert eine Falle. Wenn man ein Projekt weiterführt, nur weil man bisher schon so viel investiert hat, kann das eine immense Verschwendung sein. Denn tatsächlich könnte sich das Projekt als ein Fehler herausstellen und jede weitere Investition macht es alles nur noch schlimmer. Dann abzubrechen im Angesicht der schwindelerregenden Rechnung, die man schon gezahlt hat, bringt selbst den ausgebufftesten Geschäftsmann ins Wanken. Es ist ein Phänomen, das wir dann einfach weitermachen, obwohl es sich gar nicht mehr lohnt. Bloß weil wir die bisherigen Kosten sehen. Das ist so weit verbreitet, dass es sogar einen Namen hat: sunk cost fallacy.

Es ist also eine völlig legitime Frage, ob ich mein Buchprojekt weiterführen sollte oder nicht. Sind die versunkenen Kosten die Sache bisher wert gewesen?

Ich führe mir nochmal vor Augen, warum ich das Ganze mache. Ich habe dazu schon einiges geschrieben hier auf meinem Blog. Wenn ich mir all das durchlese, weiß ich wieder, wofür ich die Mühe und die Freizeit investieren.

Und entscheide mich, dass es mir die Sache wert ist.

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