Schreibwut

An sich ist die Schreibwut ein pathologischer Zustand. Wer davon befallen wird, schreibt im Wahn alles voll, was er vollschreiben kann. Im Zweifel mit Körperflüssigkeiten, falls kein Stift zur Hand ist. Und das Geschriebene ist… nun. Meistens eher wirr, um es freundlich auszudrücken.

Glücklicherweise spreche ich nicht von Erfahrungen aus erster Hand.

Das was mich ab und zu anheimfällt, ist eher eine Schreibwut im umgangssprachlichen Sinne. Was dabei herauskommt ist vielleicht auch ein kleines bisschen wirr, lässt sich aber mit ein bisschen Geduld in durchaus lesbare Sachen umarbeiten.

Ist so ein Schreibwutanfall jetzt hilfreich, oder eher nicht? Sollte man seinem Drang draufloszuschreiben nachgeben? Oder ist das verschwendete Zeit?

Der Perfektionist in mir hegt da gewisse Zweifel, ob der Sinnhaftigkeit des Geschriebenen. Und ja, es lässt sich zwar hinterher mit etwas Überarbeiten ganz gut hindengeln, aber vielleicht ist es die Mühe nicht wert. Immerhin kann da eine ganze Menge Zeug zusammen kommen. Das zu überarbeiten kostet viel Zeit. Und am Ende stellt man eventuell fest, dass es dann doch nicht ganz in die richtige Richtung geht. Dass die Sache nicht den passenden Dreh hat. Und man es im Prinzip wegschmeißen und neu machen kann.

Ich sage aber: Die Mühe lohnt sich trotzdem. Immer.

Der geneigte Leser meines Blogs wird an dieser Stelle vermutlich schon ahnen, warum ich dieser Meinung bin.

Geschriebenes wegzuschmeißen und nochmal neu zu verfassen ist keine Zeitverschwendung. Es ist eine gute Übung. Da war es wieder, mein aktuelles Lieblingswort.

Man sollte schreiben, wenn einem danach ist und sich nicht bremsen lassen, egal wie krude die Sache im ersten Moment erscheint.

Wer im Laufe der Zeit besser wird, hat erst einmal schlecht angefangen. Und das Wichtige an der Stelle ist: Anfangen. Ich habe früher große Probleme gehabt, etwas zu Papier zu bringen, weil ich den Anfang schon so schwierig fand. Irgendwann habe ich dann einfach drauf losgeschrieben. Und es ist noch nicht einmal erforderlich, da anzuknüpfen, wo man vorher aufgehört hat. Wenn einen die Schreibwut überkommt und man irgendetwas anderes schreiben möchte, so ist das völlig in Ordnung.

Es kann einem helfen, eine Schreibblockade zu überwinden, wenn man einfach das festhält , was einem gerade in den Sinn kommt.

Und das macht die Schreibwut in jedem Fall – sinnvoll.

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