Über kurz oder lang

In der Kürze liegt die Würze, in der Länge liegen Zwänge. Oder so ähnlich.

Woher weiß ich, ob meine Buchidee nur für eine Kurzgeschichte, oder einen ganzen Roman, evtl. sogar eine Romanreihe reicht?

Man hört gerne den Rat, doch erst einmal mit einer Kurzgeschichte anzufangen. Zum Üben, sozusagen. Kein schlechter Rat, und aus solchen Kurzgeschichten sind später oftmals tolle Romane entstanden. Das heißt aber nicht, dass es zwangsläufig so gemacht werden muss.

Natürlich baut man sich einen gewissen Druck auf, wenn man sich gleich eine Romanreihe vornimmt. Aber vielleicht ist die Idee einfach so passend, dass man die einzelnen Bände schon vor Augen hat. Man denke an Harry Potter. Da geht es um die Schulzeit des Protagonisten, und die dauert sieben Jahre. Folglich schreit es nach einer Heptalogie und die ist es am Ende auch geworden. Was klingt wie ein medizinisches Fachgebiet, ist allerdings eine komplexe Angelegenheit. Die Spannung über eine so lange Geschichte hinweg aufrechtzuerhalten ist zweifelsohne eine Herausforderung.

Ich weiß natürlich nicht, ob J.K.Rowling direkt die sieben Bände im Kopf hatte, als sie den ersten geschrieben hat. Eine Vorstellung davon, wie die Sache nach sieben Jahren Schulzeit ausgeht, hatte sie aber bestimmt schon.

Und da kommen wir zum Thema Vorarbeit: wenn ich meinen Plot ordentlich ausarbeite und mir Gedanken zur Struktur meiner Geschichte mache, komme ich auch eher zu einer Entscheidung, ob es ein episches Werk oder nur eine Kurzgeschichte werden soll. Wobei die Kurzgeschichte, oder ein erster kürzerer Roman, durchaus der Auftakt zu etwas größerem sein kann.

Prinzipiell kann man wohl aus jeder kurzen Geschichte etwas Längeres machen, indem man eine neue Geschichte anknüpft. Gut vielleicht nicht immer. Wenn man eine Weltuntergangsgeschichte schreibt, bei der am Ende die Welt tatsächlich untergeht, wird es womöglich schwierig. Ansonsten kann man einfach weiter erzählen.

Ob es ratsam ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ich neige dazu, in großen Buchideen zu denken. Womöglich klappt das auch, aber eigentlich würde ich lieber mit leichter Kost anfangen und einen kurzen Roman veröffentlichen.

Denn in der Kürze liegt die Würze.

Aufschieberitis

Oder Prokrastination, wie der moderne Bildungsbürger heutzutage sagt.

Wobei es da schon einen Unterschied gibt. Während Aufschieberitis durch die Endung „-itis“ darauf hindeutet, dass es sich hier um eine Krankheit handelt, deren unschuldiges und hilfloses Opfer man ist, beschreibt Prokrastination eine Aktivität, die man im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte freiwillig begeht.

Das klingt fast, als wäre es eine Straftat. In gewisser Weise ist es das auch, denn es kann ordentlich Schaden anrichten, wenn wichtige Dinge nicht getan werden. Allerdings hat das deutsche Rechtssystem kein Interesse daran, das zu ahnden.

Puh, zum Glück.

Sonst käme ich aus dem Knast nicht mehr raus. Denn natürlich mache ich mich der Prokrastination auch schuldig.

Ständig.

Es fällt mir fast nicht mehr auf.

OK, das ist übertrieben….

Aber kaum habe ich etwas Wichtiges zu tun, muss plötzlich die Wohnung geputzt werden. Und ich mag Putzen nicht sonderlich. Ich liebe Tätigkeiten, die einen Fortschritt aufweisen, wo das Erreichte erhalten bleibt. Wartungsarbeiten sind nicht so mein Ding.

Und natürlich falle ich auch den üblichen Zeitkillern zum Opfer. Oha, Opfer, das klingt schon wieder eher nach der Krankheit. Aber da kommen wir in den Grenzbereich. Die üblichen Zeitkiller sind sowas wie Handys und Fernseher. Und die haben Mittel und Methoden, einen möglichst lange zu fesseln (und damit zum Opfer zu machen), und das mit Absicht. Unser Gehirn wird beeinflusst, ob wir wollen oder nicht, durch die Ausschüttung von Dopamin zum Beispiel. Das passiert beim Handy Spielen und führt zu einer gewissen Abhängigkeit. Beim Fernseher ist es ähnlich. Der versetzt außerdem das Gehirn in Alphawellen, da sind wir dann besonders empfänglich für jeden Schmarrn und bleiben wie gebannt vor der Kiste hängen.

Bedenklich, oder? Schon ein bisschen.

Sich das ab und zu bewusst zu machen und Abstinenz zu üben kann einem eine völlig neue Lebensqualität schenken. Ich empfehle einfach mal, das auszuprobieren. Wer es nicht schafft, einen Tag lang auf den ganzen Flimmerkrempel zu verzichten, ist wahrscheinlich abhängiger, als er vorher dachte.

Und was die Aufschieberitis betrifft: Die ist ein Stück weit normal, und das andere Stück kann man in den Griff kriegen. Ich arbeite jedenfalls schon daran. Da sind wir wieder beim Thema Selbstdisziplin, zu dem ich auch schon was geschrieben habe.

Aber ich hab noch einen Tipp auf Lager.

Die Zeitkiller mit mehr Aufwand versehen, als das, was man eigentlich machen wollte.

Konkret heißt das: Wenn das Handy ausgeschaltet in der Schublade liegt und mein Laptop schreibbereit auf dem Sofa, habe ich mehr Aufwand, wenn ich an mein Handy will, als an mein Laptop. Das Laptop hat dank Internet-Datenmüllhalde noch ganz andere Tücken, aber tatsächlich denke ich erstmal ans Schreiben, wenn ich das Ding aufklappe. Das funktioniert natürlich auch für andere Sachen. Die Fernbedienung im Kühlschrank und die Sporttasche mitten im Flur. Das Tablet oben auf dem Kleiderschrank und das Französischbuch auf dem Lieblingsstuhl. Und so weiter, ihr versteht, was ich meine.

Allerdings muss man auch Willens sein, etwas verändern zu wollen.

Denn ganz ehrlich, wer sich den halben Tag lang Katzenvideos anschaut und das normal findet, dem kann ich wohl auch nicht mehr helfen.

Im Floh

Ich liebe die deutsche Sprache. Ach, was sage ich, ich liebe Sprache generell. Und ich bediene mich auch gerne mal anderer Sprachen als nur der deutschen. Allerdings habe ich da auch gerne die Wahl.

Und im Moment störe ich mich ein wenig an dem etwas ungelenk klingenden Denglizismus „Im Flow“. Weder deutsch noch englisch, noch schön.

Eigentlich wollte ich darüber schreiben wie man „in den Flow“ kommt. Himmel, das hört sich so eckig an, dabei beschreibt es doch eher etwas Rundes. Kann man das nicht irgendwie besser ausdrücken?

Bei der Erstellung dieses Artikels bin ich jedenfalls gar nicht im Flow, weil ich ständig irgendwie über diese Formulierung stolpere. Wollen wir mal hoffen, dass ich es schaffe, meine Aversion gegen den Begriff zu überwinden und noch was Substantielles zum Thema beitragen kann.

Also gut, ich reiß mich mal zusammen.

Was ist Flow überhaupt? Flow ist ein Zustand vollster Konzentration, bei dem man vollkommen im Hier und Jetzt ist, also die Zeit ums sich herum vergisst und völlig in der Tätigkeit, die man gerade erledigt, aufgeht. Das Schöne daran ist, dass wir hier eine Kombination aus hoher Produktivität und Glücksgefühl haben.

Durchaus erstrebenswert.

Und wie kommen wir da jetzt hin? Es gibt leider keine Droge, Medizin, Yoga-Übung oder sonstiges, was uns instantan in den Flow versetzt. Entscheidend ist, dass man erst einmal eine Tätigkeit ausführen muss, um in den Flow zu kommen. Das alleine ist es aber noch nicht, sonst wären wir alle ständig im Flow. Die Bedingungen müssen passen, dass ich in die volle Konzentration komme, denn nur dann folgt von ganz alleine der Flow.

Konkret bedeutet das, dass ich eine gewisse Zeit, mindestens 10 bis 15 Minuten, ohne Ablenkung arbeiten muss. Außerdem sollte es eine Arbeit sein, die mich fordert, aber nicht zu schwer ist. Mein Geist sollte ständig damit beschäftigt bleiben, aber auch Fortschritte machen. Wenn die Nuss zu schwer ist, um sie zu knacken, komme ich irgendwann nicht weiter und meine Gedanken schweifen ab. Das Gleiche passiert, wenn ich mich bei meiner Aufgabe langweile. Ideal ist es, wenn ich kontinuierlich eine gewisse Konzentration aufbringen muss, um dabei zu bleiben.

Man kann den Flow aber nicht erzwingen. Schon eine kleine Ablenkung, ein Geräusch zum Beispiel, kann einen aus der Konzentration reißen, bevor man überhaupt in die Nähe eines Flows kommt. Wichtig ist, diese durchaus anstrengende Anfangsphase zu überwinden, um dann in ein Gefühl der Leichtigkeit zu kommen.

Ich merke es normalerweise gar nicht, wenn ich im Flow bin. Das liegt in der Natur der Sache, man blendet alles aus, was nicht mit der Aufgabe zu tun hat, die man gerade macht. Somit denkt man auch nicht darüber nach, ob man im Flow ist, das Gehirn hat gerade besseres zu tun.

Und plötzlich sind ein paar Stunden vergangen, ich habe unfassbar viel geschafft und muss dringend mal aufs Klo.

Kreativität in der Dusche

Kreativität kann ganz schön teuer werden, ohne dass man was davon sieht. Meine Strom- und Wasserkosten werden definitiv in die Höhe getrieben, dadurch, dass mir unter der Dusche immer so gute Ideen kommen. Während mir das heiße Wasser über den Rücken rauscht, schreibe ich im Kopf ganze Blogartikel oder Buchkapitel.

Und schwups, ist eine Viertelstunde Heißwasser in den Abfluss gelaufen. Oder mehr.

Nicht nur, dass das eine verantwortungslose Verschwendung von Ressourcen ist, Duschkunst ist auch noch volatil. Je länger ich dumm rumstehe und vor mich hin denke, desto weiter zurück liegen die ersten Gedanken und wenn ich mich abtrockne ist schon wieder einiges davon in den eher staubigeren meiner Gehirnwindungen versackt.

Wenn ich es nicht schaffe, sofort zum Laptop zu stürzen und die Reste aufzuschreiben, kann ich es später nochmal neu denken. Aber zugegeben, die Ideen sind nicht ganz weg. Der Titel für diesen Artikel, nebst ein paar Formulierungen sind vom letzten Duschen noch hängen geblieben.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich den Prozess eventuell verbessern kann. Vielleicht durch ein wasserfestes Aufnahmegerät, was ich in die Dusche mitnehme. Theoretisch habe ich ein Handy, mit dem das geht, da es als „Outdoor“ Gerät vermarktet wird und zumindest Regenwasser aushält – jedoch, ich traue der Sache nicht. Ich habe auch schon ein Smartphone in der Toilette versenkt. Ja, lacht mich aus. Aber ich wette, das ist dem ein oder anderen der das liest auch schon passiert. Leider hat es das nicht überlebt. Das Tablet auf Badewannentauchtour war da stabiler. Zwei Runden im Dörrautomat und es war wieder wie neu. Jedenfalls bin ich ein bisschen ein gebranntes Kind. Oder vielleicht auch ein getauchtes. Ich will mein Glück nicht herausfordern.

Vielleicht muss ich mir einen trockeneren Ort für meine kreativen Ergüsse suchen. Womöglich gibt es Alternativen?

Aber wieso kommen einem ausgerechnet beim Duschen so viele Ideen? Ich denke, es liegt an zwei Dingen: keine Ablenkung und Entspannung durch das warme Wasser. Wer noch weitere Gründe kennt, darf sie mir gerne schreiben.

Und selbstverständlich vorher in der Dusche darüber nachdenken.

Social Video

Heutzutage geht ja nichts mehr ohne Video im social media Bereich. Und wieso sollte man sich die Finger brechen und einen Blog Artikel schreiben, wenn man doch genauso gut einfach ein Vlog, also ein Blog Video drehen kann?

Nun, das kommt für mich nicht infrage.

Mal abgesehen davon, dass ich gerne schreibe, habe ich mich auch noch nicht so weit vom Perfektionismus befreit, dass ich sowas tun würde, wenn nicht alles stimmt. Das heißt, dass ich eine 1A Kulisse brauche mit High End technischer Ausstattung was Beleuchtung, Bild- und Tonaufnahme betrifft, sowie eine professionell gestylte Präsentatorin, die eloquent und natürlich, dabei aber fehlerfrei, eindringlich und pointiert die wesentlichen Punkte ohne Geschwafel vorträgt und damit die Herzen ihres Publikums berührt.

Ich bin leider durchs Casting durchgefallen.

Die High End Ausstattung habe ich auch nicht. Von der Kulisse ganz zu schweigen. Jemand anderes für den Job zu engagieren wäre auch irgendwie Themaverfehlung.

Es wurde schon viel darüber diskutiert, ob Lesen ein Anachronismus ist, der irgendwann verschwindet, wo modernere Medien, sprich Video und Ton, es dem Konsumenten doch viel einfacher machen. Sicher gibt es Menschen die kaum noch Lesen. Diese Menschen erreiche ich mit meinem Blog nicht.

Choose your Audience!

Ich schreibe nicht für jeden. Ich schreibe für all diejenigen, die Spaß daran haben, das zu lesen, was ich schreibe. Das ist eventuell nur ein sehr überschaubar kleiner Teil der Menschheit, aber dieser Teil reicht mir.

Ich glaube auch nicht, dass das Lesen irgendwann aussterben wird. Und selbst wenn es vom Hörbuch abgelöst werden sollte, bin ich als Autorin noch im Rennen. Es werden täglich unzählige Bücher veröffentlicht, sei es digital oder auf Baumleichen. Der Bedarf ist nach wie vor da, ich muss mir also keine Sorgen machen.

Und so lange ich lebe wird es mindestens noch einen Menschen geben, der gerne liest.

Selbstdisziplin!

Ich gebe es zu, aktuell macht es mir mehr Spaß an meinem Blog herumzuschreiben als an meinem Roman. Und das ist ja eigentlich nicht der Sinn der Sache.

Da hilft nur eins: mehr Selbtdisziplin!

Hmm. Wirklich? Das funktioniert doch nicht.

Jeder der seine guten Neujahrsvorsätze schon im Februar wieder aufgegeben hat, weiß das. Diejenigen, die schon im Januar hingeschmissen haben, erst Recht. Ich erhebe hiermit mein Glas auf all die Realisten, die schon von vorneherein keine Vorsätze fürs neue Jahr gefasst haben. Das zeugt von Lebenserfahrung und Weisheit!

Jetzt könnte mancher einwenden, dass eine solch fatalistische Sichtweise einen dazu verdammt, auf dem Sofa zu vergammeln und RTL anschauen zu müssen.

Au contraire, mon ami! Dass es doch irgendwie geht, zeigen die bewundernswerten Beispiele an Menschen, die plötzlich vom Sportmuffel zum Bodybuilder mutieren, in der Abendschule zum Universitätsprofessor aufstreben, oder ähnliche Errungenschaften vorzuweisen haben. Wie zum Teufel haben die das bloß gemacht?

Es gibt reichlich Bücher zum Thema Selbstdisziplin. Ich hab auch einiges zu dem Thema gelesen. Und die gute Nachricht ist: Es gibt da ein paar Tricks.

Allerdings würde es den Rahmen dieses Artikels sprengen, das Thema vollumfänglich zu behandeln. Wer sich näher dafür interessiert findet allerdings reichlich Literatur dazu.

So ganz mit leeren Händen will ich meine Leser aber nicht dastehen lassen, jetzt hab ich es schon angeteasert, jetzt muss ich auch was liefern.

Bitteschön, mein bester Tipp zum Thema Selbstdisziplin:

Suche dir ein Ziel, eine Vision, wo willst du hin und vor allem warum? Wenn du das hast, male es dir möglichst bunt aus, wie es ist, wenn du es erreicht hast, wie fühlt es sich an? Und wenn du genug darin geschwelgt hast, und dir sicher bist, dass du das wirklich erreichen willst, hast du schon den ersten und wichtigsten Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Jetzt fehlt noch eine wichtige Zutat: wann immer du lieber auf dem Sofa Netflixen möchtest, frage dich, ob es dich deinem Ziel näher bringt. Ob es dir dient. Ob es zu dem tollen Gefühl führt, das du dir so schön ausgemalt hast, als du dir dein Ziel vorgestellt hast. Eventuell kommst du zu dem Schluss, dass es die Sache nicht wert ist, wenn du dafür noch länger warten musst, bis du dein Ziel erreichst. Falls es dir die Sache doch wert ist, dann viel Spaß beim Serienmarathon. Der ist dir vielleicht in dem Moment wichtiger, und das ist dann ja auch in Ordnung. Aber wenn dir dein Ziel wichtiger ist, fällt es dir in dem Moment wesentlich leichter, auch was dafür zu tun.

Rufe dir wieder ins Gedächtnis, warum du am Anfang so motiviert warst. Da hattest du das tolle Endergebnis noch frisch vor Augen und das hat dich vorangetrieben. Hole es dir einfach immer wieder aufs neue vor Augen. Manche Menschen machen sich ein Vision-Board. Oder schreiben sich ihre Ziele auf und hängen sie sich an den Kühlschrank. Was immer für dich funktioniert, Hauptsache, du wirst ständig daran erinnert, was du erreichen willst.

Das war es auch schon. Probier es gerne mal aus und berichte mir, ob es funktioniert hat.

Und ich wende mich jetzt voll motiviert wieder meinem Roman zu.

Hallo?

Hallo, du schöne, anonyme Welt! Wie gut, dass mich keiner kennt, der das hier liest.

Falls es überhaupt jemand liest.

Aber warum habe ich bisher keinem meiner Freunde, Bekannten, Verwandten und Kollegen gesagt, dass ich unter die Blogger gegangen bin?

Weil ich Angst habe, dass die das doof und hochnotpeinlich finden könnten? Weil sie mich für einen totalen Versager halten könnten, wenn ich das hier nach zwei Wochen wieder aufgebe? Weil es mir peinlich ist, wenn sie wissen, was in meinem innersten vorgeht? Weil es eventuell nicht gut genug ist, was ich hier schreibe und ich nicht will, dass das jeder weiß, der mich kennt?

Ja schon. Irgendwie. Und da waren sie wieder, meine drei Probleme: Selbstzweifel, Unsicherheit und Perfektionismus. Was ich ja eigentlich ablegen wollte, aber es kämpft sich halt doch immer wieder hoch.

Und dabei könnte es mir ja durchaus helfen, wenn ein paar liebe Menschen, die im Grunde ihres Herzens in irgendeiner Form mir zugeneigt sind, also mich nicht schon von vorneherein doof finden, sondern sogar mögen, meinen Blog lesen. Und vielleicht aufbauende Kommentare da lassen, wenn’s mal nicht so läuft.

Am Ende interessiert es den einen oder anderen sogar, was ich so schreibe! Ein noch ungewohnter Gedanke, aber hey. Ist ja sowieso alles noch ziemlich neu für mich.

Wenn ich irgendwann eine erfolgreiche Autorin sein will, sollte ich mich da aber dran gewöhnen. Das passt ja nicht zusammen, wenn keiner wissen soll, was ich schreibe, und ich gleichzeitig einen Bestseller erschaffen will.

Na, dann muss ich wohl mal über meinen Schatten springen und den Teilen-Knopf bedienen.

Die Perfektionismusbremse

Ich liebe die deutsche Sprache, schon allein deswegen, weil man damit so wunderbare Wortschöpfungen wie „Perfektionismusbremse“ schaffen kann. Das Wort selber bedeutet aber gar nichts Wunderbares. Wer sich schon mal von seinem eigenen Perfektionismus ausbremsen hat lassen, weiß, wovon ich spreche.

Perfektionismus behindert den Fortschritt.

Warum ist das so? Weil man nie wissen kann, wann etwas tatsächlich perfekt ist. Man kann unendlich viel Zeit in die Verbesserung von etwas stecken, was an sich schon gut ist. Und es dadurch natürlich verbessern, aber wie der Begriff unendlich schon besagt: Man wird eigentlich nie fertig damit. Was jetzt ziemlich hinderlich ist, wenn man Ergebnisse liefern will. Auch kreative Werke wollen irgendwann fertig werden. Aber hier ist es erst recht schwierig zu beurteilen, wie gut ein solches Werk ist, und wie viel noch getan werden könnte, damit es perfekt ist. Wie soll man da jemals zum Ende finden, wenn man den Anspruch hat, dass es perfekt sein muss?

Ein Hang zum Perfektionismus lebt in vielen von uns.

Auch in mir.

Ein weiterer Grund, der mich davon abgehalten hat, einfach mal drauf loszubloggen. Denn ich gebe es zu, das hier ist nicht mein erster Blog. Der erste ist am Perfektionismus gescheitert. Damit mir das nicht mit dem zweiten auch passiert, versuche ich mich vom Perfektionismus zu emanzipieren. Das ist nicht immer ganz so einfach, aber ich lerne ja noch dazu.

Was mir sehr dabei hilft, ist die Erkenntnis, dass Perfektionismus völlig sinnlos ist, wenn man gar nicht objektiv beurteilen kann, wann etwas perfekt ist. Auf künstlerische Werke trifft das wie gesagt zu. Natürlich ist es nicht völlig sinnlos, gar keinen Qualitätsanspruch zu haben. Die Kunst ist, ein gesundes Gefühl dafür zu entwickeln, wann etwas einfach mal gut genug ist.

Gut genug ist besser als perfekt.

Gut genug erreicht man wesentlich schneller. Es lässt sich zumindest nach individuellen Maßstäben ganz gut beurteilen. Und man kann es im Laufe der Zeit anpassen. Ich kann besser werden, in dem was ich tue, und meinen Anspruch für „gut genug“ anheben. Ohne mir der Druck zu machen, dass es ein vermutlich nicht erreichbares „perfekt“ sein muss.

Wer ewig an etwas herumfeilt, um es perfekt zu machen, lernt irgendwann nichts Neues mehr. Denn um Neues zu lernen, muss man Neues tun. Und ich lerne gerne neues und entwickle mich dadurch weiter.

Für das Schreiben bedeutet das: Ich muss einfach schreiben und es gut genug sein lassen, um vorwärtszukommen, um mehr zu schreiben. Um meinen Schreibstil weiterzuentwickeln, um zu üben.

Heißt das, dass ich nicht mehr Korrektur lese? Keine Sätze nachträglich verändere, umstelle, ganze Absätze streiche und neu schreibe? Nein, sicher nicht. Ich will ja, dass es gut genug ist. Aber ich setze dem Ganzen ein Ende, wenn es meinen Ansprüchen genügt.

Und mein Anspruch ist nicht mehr, perfekt sein zu wollen.

Wer schreiben will, muss lesen

Lesen macht ja nicht nur Spaß, manchmal bringt es auch was. Und was es bringt, sollte man nicht unterschätzen. Ich bin der Meinung, wenn man ein guter Autor werden will, muss man viel lesen. Daher habe ich mal fünf Gründe zusammen getragen, warum es sich lohnt, als angehender Schriftsteller viel zu lesen.

Erstens: viele gute Geschichten wurden schon erzählt.

Das heißt nicht, dass man sie nicht nochmal erzählen und einen eigenen Twist hineinbringen kann. Im Gegenteil, ein Konzept das funktioniert, eignet sich in einer abgewandelten Variante eventuell nochmal zum Bestseller. Es kann einen in der Entwicklung von Geschichten enorm voranbringen, von erfolgreichen Autoren abzuschauen, was ein funktionierender Plot ist.

Zweitens: wenn man etwas liest, das einem selber gut gefällt, das einen so fesselt, dass man das Buch kaum weglegen kann… dann ist es wirklich gut geschrieben.

Und da bietet es sich an zu analysieren, was der Autor gemacht hat, damit es sich gut liest. Welche Stilelemente, Umgang mit der Sprache, Satzbau, etc. hat er angewendet? Auch hier gilt wieder: Abschauen, was gut funktioniert.

Drittens: damit man aber nicht zur Kopie eines anderen Autors verkommt, sollte man viele verschiedene Autoren lesen.

Monokultur ist immer problematisch, das gilt auch hier. Letztlich soll die Lektüre anderer Autoren die eigene Kreativität anregen, nicht sie ersticken. Große Meister haben dadurch gelernt, dass sie andere große Meister kopiert haben. Aber irgendwann kam der Punkt, wo sie ihren eigenen Stil gefunden und unverwechselbare Werke geschaffen haben. Da sollte ein guter Autor auch hinstreben: von den Meistern lernen, aber dann einen eigenen Stil entwickeln. Je vielfältiger die Meister sind, von denen ich lerne, desto reichhaltiger ist mein Repertoire, aus dem ich neues entwickeln kann.

Viertens: wer nicht gerne liest, sollte vielleicht nicht unbedingt das Schreiben zur Profession machen.

Eat your own dog food, heißt es. Wenn mir mein eigener Roman keinen Spaß macht, wie soll ich dann wissen, ob er anderen Lesern Spaß macht? Wenn ich mich in mein Publikum hineinversetzte, mich mit ihm identifiziere, kann ich viel besser dafür schreiben. Und mein Publikum wird sicher aus Menschen bestehen, die gerne lesen. Wieso sollten sie sonst mein Buch kaufen?

Fünftens: Ernsthaft? Es gibt Menschen, die nicht gerne lesen? Das ist doch sicher ein Fehler in der Matrix…

Selbstzweifel, oder was mache ich hier überhaupt?

Ich bin eine Frau mittleren Alters.

Also 29.

Plus.

Seit einer Weile.

Die schon recht lang ist.

Warum reite ich darauf so herum? Na ja. Meine Kindheitsträume sind doch schon recht alt. Verjährt sowas? Falls ja, ist die Zeitspanne bei mir sicher schon kritisch. Aber vielleicht verjähren Kindheitsträume nicht. So oder so, ich hab mir echt ganz schön Zeit gelassen, die Verwirklichung eines Kindheitstraumes anzugehen. Und da darf man sich (oder auch mich) fragen: Warum hat das so lange gedauert?

Die Antwort ist simpel, ich habe es mir einfach nicht zugetraut.

Weil, dass ich, also ausgerechnet ich(!) eventuell gut genug schreiben könnte, dass es irgendeine Seele da draußen interessiert und gut findet, das ist ja nun wirklich massive Selbstüberschätzung.

Andererseits habe ich schon eine Menge Bücher gelesen, oder zumindest angelesen, die ich nicht wirklich gut fand. Und wo ich mir dann dachte: wenn andere sich nichts draus machen, dass sie wirklichen Mist auf die Menschheit loslassen, wieso geniere ich mich dann so dermaßen? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Aber ich habe dieses Jahr an mir gearbeitet. Und mal ein paar Dinge hinterfragt. Und ein bisschen Mut gesammelt. Mir ausgemalt wie fürchterlich schrecklich es wird, wenn ich mich tatsächlich selbst überschätze und ich nur totalen Mist veröffentliche. Ich in mieser Kritik untergehe. Und von Trollen zugespammt werde.

Ach, na ja, so schlimm ist das doch alles gar nicht, wenn man es genau betrachtet.

Irgendwann war der Wunsch stärker, es doch einfach mal zu machen und zu sehen, was passiert.

Here I am.

Bereit, mich der Kritik meiner Leser zu stellen. Ich werde es überleben. Und wenn nicht, dann werde ich eben posthum Autorin.